Weniger Angst nach Schlaf
Die Kognitive Verhaltenstherapie ist ein wirksamer
Therapieansatz für Phobien. Zusammen mit Wissenschaftlern der
Universitäten Zürich, Basel, Salzburg, San Diego und Brüssel haben die
Psychologen der Ruhr-Universität Bochum diesen Ansatz bei einer Gruppe
von Spinnen-Phobikern getestet. Die Teilnehmer durchliefen zunächst eine
Therapiesitzung der „Virtual reality exposure therapy“, bei der sie
Computer-Headsets mit kleinen Monitoren trugen, auf denen sie Bilder von
Spinnen sahen. Unmittelbar darauf sollte die Hälfte von ihnen etwa 90
Minuten schlafen, während die andere Hälfte eine neutrale
Naturdokumentation ansah. Eine Woche später setzten die Forscher die
Teilnehmer einer lebenden Tarantel aus. Diejenigen, die nach der
Therapiesitzung geschlafen hatten, hatten weniger Angst als diejenigen,
die wach geblieben waren.
Schlaf sorgt für Stabilisierung
„Wir wissen noch nicht genau, warum das so ist“, sagt
Jürgen Margraf. „Die Studie baut auf Erkenntnisse aus anderen Arbeiten
auf, die darauf hindeuten, dass der Schlaf einen zweifachen Effekt auf
die Erinnerung hat. Schlaf kann einerseits helfen, Emotionen
abzuschwächen, die mit einer bestehenden Erinnerung verknüpft sind, zum
Beispiel die Angst früherer Begegnungen mit Spinnen. Anderseits hilft
der Schlaf aber auch, neue Erinnerungen zu speichern, in diesem Fall,
dass die Spinnen gar nicht so gefährlich waren. Dieser Prozess der
Stabilisierung verläuft vermutlich über mehrere Nächte.“
Teilnehmer können nach der Therapie schlafen
„Unseres Wissens ist dies auch die erste empirische
Überprüfung, ob und wie Patienten in der Lage sind, sofort nach der
Konfrontationstherapie zu schlafen“, so Margraf. Die Studie zeigt:
Menschen sind in der Lage, direkt nach der Therapie zu schlafen. Die
Wissenschaftler erklären dies mit dem anstrengenden und ermüdenden
Format dieser speziellen Behandlungsform. Die auf systematischer
Konfrontation mit Angst auslösenden Reizen basierende Therapie von
Phobien beruht auf der Löschung von Angstreflexen, einem natürlichen
Lernmechanismus, der bei Phobien und anderen Angststörungen verzögert
ist. „Unser Ansatz bietet eine wichtige nicht-invasive Alternative zu
den aktuellen Versuchen, die therapeutische Löschung und Verfestigung
von Erinnerungen durch Medikamente zu unterstützen“, sagt Margraf.
Phobien: häufige Form der psychologischen Störung
Phobien sind eine der häufigsten Formen von
psychologischen Störungen. Fast zehn Prozent der Menschen litten allein
im vergangenen Jahr unter Problemen mit diesen intensiven, oft
irrationalen Ängsten. Etwa ein Viertel aller Leute sammelt irgendwann im
Leben Erfahrungen mit Phobien.
Titelaufnahme
B. Kleim, F.H. Wilhelm, L. Temp, J. Margraf, B.K.
Wiederhold, B. Rasch (2013): Sleep enhances exposure therapy,
Psychological Medicine, DOI: 10.1017/S0033291713001748