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Samstag, 20. Juli 2013

Selbst Schwerkranke erhalten ihre Osteoporose-Medikamente nicht

Eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Techniker Krankenkasse für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG) und des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) zeigt gravierende Mängel bei der medizinischen Versorgung von Osteoporose-Kranken. Laut der Studie bekommen 60 Prozent der an Knochenschwund Erkrankten trotz eines Bruchs nicht die dringend benötigten Medikamente zum Knochenaufbau, teilte die Techniker Krankenkasse (TK) mit. Und selbst bei schweren Osteoporose-Fällen mit sieben und mehr Knochenbrüchen bleiben noch 42 Prozent der Versicherten ohne die notwendigen Medikamente.

"Diese Zahlen machen nachdenklich", sagt Studienleiter Professor Dr. Roland Linder vom WINEG. "Osteoporose lässt sich mit den Medikamenten wirksam und preiswert behandeln. Bei vielen der 6,3 Millionen Osteoporose-Kranken in Deutschland könnten die Medikamente Knochenbrüche vermeiden."

Auch rein finanziell sind die Ausgaben für Osteoporose-Mittel gut angelegt: Die Medikamente gibt es bereits ab etwa 20 Euro im Monat. Erleidet ein Patient zwei oder mehr Frakturen, steigen die mittleren Behandlungskosten von 342 Euro auf 2.219 Euro im Jahr. Professor Linder: "Bei 4,5 Milliarden Euro Osteoporose-Kosten in Deutschland lässt sich erahnen, wie viel unsere Gesellschaft durch eine bessere Osteoporose-Behandlung an Leid und Geld sparen könnte." Linder: "Warum das nicht schon bisher geschieht, lässt sich anhand der ausgewerteten Daten nicht beurteilen. Dieser Frage müssen wir noch mit weiteren Untersuchungen auf den Grund gehen."

Laut der Studie leiden 24 Prozent der Frauen und sechs Prozent der Männer ab 50 Jahren unter Osteoporose. Insgesamt wird die Zahl der Neuerkrankungen auf 885.000 pro Jahr geschätzt. Jeder zweite Betroffene erlitt innerhalb des Untersuchungszeitraums von vier Jahren mindestens einen Knochenbruch.

Für die Studie haben WINEG und IGES die Abrechnungsdaten der TK in den Jahren 2006 bis 2009 analysiert. Die Arbeit ist unter www.tk.de mit dem Webcode 496184 (PDF, 559 KB, nicht barrierefrei) abrufbar.

Eine Infografik "Medikamente für Osteoporose-Patienten" zeigt den Anteil der Patienten nach Anzahl der Knochenbrüche, die Osteoporose-Medikamente erhalten. Diese Infografik ist zu finden auf der Website des TK-Geschäftsberichts 2012 unter dem Internetlink: http://ow.ly/mPvM1.

Samstag, 22. Juni 2013

Tabletten auch bei Milchzucker-Unverträglichkeit gut verträglich

Milchzucker (auch Laktose genannt) ist bei der Herstellung von Tabletten ein weit verbreiteter Hilfsstoff. „Auch Menschen mit einer Milchzucker-Unverträglichkeit können Tabletten in der Regel ohne Probleme einnehmen“, sagte Lutz Engelen, Vizepräsident der Bundesapothekerkammer. Bei den meisten Menschen mit einer Milchzucker-Unverträglichkeit ist noch eine Restaktivität des abbauenden Enzyms vorhanden. Diese reicht aus, um die in einer Tablette enthaltene Menge Milchzucker abzubauen. Zum Vergleich: Eine Tablette enthält meist nicht mehr Milchzucker als ein Esslöffel Kuhmilch.

Bei einer Milchzucker-Unverträglichkeit entstehen Beschwerden durch die fehlende oder verminderte Aktivität des körpereigenen Enzyms Laktase. Dieses Enzym spaltet Milchzucker im Dünndarm in seine Bestandteile auf. Fehlt es, gelangt der Milchzucker unverdaut in den Dickdarm, wo die dort lebenden Bakterien den Zucker abbauen und Gase freisetzen. Völlegefühl, Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall sind mögliche Folgen. Wie viel Milchzucker ohne Beschwerden vertragen wird, müssen Betroffene individuell ausprobieren.

Menschen mit einer Milchzucker-Unverträglichkeit meiden oft Milchprodukte. „Fehlen in der Nahrung Milchprodukte als Kalziumquelle, steigt das Risiko für Osteoporose. Fragen Sie Ihren Apotheker, wie Sie durch richtige Ernährung einem Kalziummangel vorbeugen können“, riet Engelen. Bundesweit haben sich mehr als 2.300 Apotheker auf Ernährungsberatung spezialisiert und informieren Menschen mit Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten. Bei einer Milchzucker-Unverträglichkeit können Nahrungsergänzungsmittel mit Kalzium sinnvoll sein. Alternativ können Betroffene das Enzym Laktase in Form von Tabletten oder Tropfen einnehmen und vertragen dann größere Mengen Milch ohne Verdauungsbeschwerden.

Samstag, 15. Juni 2013

Autofahrer sollten über Nebenwirkungen gut Bescheid wissen

Medikamente, egal ob verschreibungspflichtig oder rezeptfrei, können die Fahrtüchtigkeit von Verkehrsteilnehmern stark beeinträchtigen. „Jeder Autofahrer muss vor Fahrtantritt kritisch prüfen, ob er allen Anforderungen des Straßenverkehrs gewachsen ist. Wir unterstützen die Initiative der Apotheker, um auf dieses Risiko aufmerksam zu machen“, erklärt ADAC Vizepräsident für Verkehr Ulrich Klaus Becker. Das Motto: „Erst fragen, dann fahren!“. Ab sofort informieren Apotheker verstärkt über die Auswirkungen von Medikamenten auf die Fahrsicherheit.

Autofahrer sollten sich nicht ans Steuer setzen, wenn ihr Fahrverhalten durch die Nebenwirkungen eines Medikaments ungünstig beeinflusst wird. Anzeichen dafür sind u.a. Müdigkeit, Schwindel, Benommenheit, Sehstörungen oder Unruhe. „Gerade das Risiko rezeptfreier Medikamente gegen Erkältungen, Allergien oder Migräne sowie von Augenmedikamenten wird immer wieder unterschätzt. Ein Drittel der Bundesbürger hat sich noch nie über dieses Thema informiert“, sagt Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Zwei von drei Autofahrern setzen sich auch dann ans Steuer, wenn sie sich nicht fit genug für den Straßenverkehr fühlen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 3 000 Bundesbürgern im Auftrag der ABDA. Jeder zweite Befragte ist schon einmal Auto gefahren, obwohl er wegen einer Krankheit Einschränkungen seiner Fahrtüchtigkeit bemerkt. Weitere 16 Prozent der Bundesbürger setzen sich auch dann ans Steuer, wenn sie sich durch Nebenwirkungen eines Medikaments unsicher fühlen.

Werden Medikamente mit Alkohol kombiniert, sind Wechselwirkungen möglich, die sich auch auf die Fahrtüchtigkeit auswirken können. Knapp ein Drittel der Bundesbürger ignoriert das. Der ADAC warnt: Liegt aufgrund eines Medikaments ein daraus bedingter Fahrfehler vor und wird nach einem Unfalls mittels Blutprobe das Medikament – beispielsweise ein Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) – nachgewiesen, kann das schwerwiegende Folgen haben: Der Kaskoversicherungsschutz ist gefährdet, es drohen Geldstrafe, Fahrverbot und im schlimmsten Fall sogar eine Freiheitsstrafe, wenn jemand schwer oder sogar tödlich verletzt wurde.


Mittwoch, 5. Juni 2013

Mikro- oder Nanosilber hemmen Krankheitserreger

Mit Silbersalzen oder elementarem Silber lassen sich Krankheitserreger wirksam bekämpfen, z.B. bei der Behandlung großflächiger Wunden. „Da es bislang kaum Resistenzen gegen Silber gibt, sind Mikro- oder Nanosilber eine mögliche Ergänzung der antiinfektiven Therapie“, sagte Prof. Dr. Rolf Daniels. Der Apotheker sprach beim Pharmacon, einem internationalen Fortbildungskongress der Bundesapothekerkammer, über den Einsatz von Silber in Arzneimitteln, Medizinprodukten und Pflegemitteln. Dabei unterschied der Experte metallisches Silber, das als Makro-, Mikro- und Nanosilber verwendet wird, von Silbersalzen, wie Silbernitrat. Dieses wird als Lösung seit langem als Antiseptikum und Adstringens verwendet, beispielsweise gegen Augeninfektionen. Andere Silbersalze werden bei Brandwunden eingesetzt.

Makro-, Mikro- und Nanosilber sind chemisch identisch, ebenso der Wirkungsmechanismus: An der Oberfläche des Metalls entstehen geladene Silberionen. Diese greifen unspezifisch an verschiedenen Zielstrukturen an und können in sehr geringen Konzentrationen u.a. das Wachstum von Bakterien hemmen. Die verschiedenen Silberformen unterscheiden sich nur durch ihre Teilchengröße: Makrosilber besteht aus relativ großen Teilchen und wird z.B. zu Schmuck verarbeitet oder als Beschichtung auf Medizinprodukte aufgebracht. Wird das Edelmetall feiner verteilt, spricht man von Mikrosilber. Die Teilchengröße von Mikrosilber liegt bei etwa 10 Mikrometern, also etwa 0,01 Millimetern. Ein Gramm Mikrosilber hat eine Oberfläche von 5 Quadratmetern. Diese Teilchen sind so klein, dass sie auf der Haut nicht kratzen. Daniels: „Pflegepräparate mit Mikrosilber können bei Neurodermitis empfehlenswert sein, dies hängt aber vom individuellen Hautbild, der Zubereitung der Grundlage und der Hautstelle ab.“


Noch feiner verteilt ist Nanosilber: Die Teilchengröße liegt bei etwa 50 Nanometern, das sind 0,00005 Millimeter. Ein Gramm Nanosilber hat eine Oberfläche von etwa 500 Quadratmetern. Nanosilber wird auch als kolloidales Silber bezeichnet. „Bei Nanopartikeln ist noch zu wenig über den Verbleib im Körper und den Abbau bekannt. Eine abschließende wissenschaftliche Bewertung ist noch nicht möglich. Damit Verbraucher wissen, ob ein Produkt Nanopartikel enthält, gibt es eine Kennzeichnungspflicht. Diese gilt auch für Nanosilber“, sagte Daniels.

Dienstag, 4. Juni 2013

Kindern erklären, warum sie Medikamente brauchen

Foto: Bundesvereinigung Deutscher 
Apothekerverbände
Im Allgemeinen nehmen kranke Kinder ihre Medikamente nicht gerne ein. Häufig ist der Geschmack befremdlich, die Konsistenz ungewohnt und zudem fühlt sich das Kind schon durch die Erkrankung unwohl. „Eltern tun gut daran, soweit wie möglich, ihren Kindern durch eine altersgerechte Aufklärung, durch Geduld und durch kleine Belohnungen für die Einnahme beschützende Hilfestellung zu geben“, sagt Gabriele Overwiening, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der Bundesapothekerkammer. „Riskant ist, wenn Eltern ihren Kindern vorgaukeln, dass eine Tablette eine Süßigkeit wäre oder sie zur Einnahme zwingen. Lieber eine kleine Belohnung hinterher in Aussicht stellen.“

Säuglinge oder Kleinkinder bekommen meist flüssige Medikamente. Hier kann es leicht zu Unter- oder Überdosierungen kommen. Mischen Eltern Arzneimittel mit abgepumpter Muttermilch, Säuglingsnahrung, Brei oder anderen Lebensmitteln, müssen vorher mögliche Wechselwirkungen ausgeschlossen werden. So werden beispielsweise einige Antibiotika durch das Kalzium der Milch inaktiviert. Diese Wechselwirkung kann vermieden werden, wenn zwischen der Arzneimittelgabe und dem Trinken von Milch mindestens zwei Stunden liegen. Auch Unterdosierungen sind beim Untermischen unter Lebensmittel möglich. Das Kind muss die gesamte Menge der Flüssigkeit oder des Breis zu sich nehmen, sonst ist die Medikamentendosis zu gering. Spuckt das Kind hingegen einen Teil eines Arzneimittels wieder aus oder erbricht es sich anschließend, darf nicht nochmals eine volle Dosis des Arzneimittels gegeben werden. Es kann sonst zu Überdosierungen kommen. Eltern sollten in solchen Fällen in der Apotheke oder beim Kinderarzt nachfragen.

Wenn das Kind den Geschmack eines Safts oder einer Lutschtablette nicht mag, kennt der Apotheker häufig alternative Präparate mit einem anderen Geschmackszusatz. Damit sich das Kind nicht verschluckt, sollte es bei der Einnahme möglichst aufrecht sitzen und hinterher viel trinken.


Bei Kindern sind Zäpfchen oft eine gute Wahl. Sie lassen sich leichter einführen, wenn sie angewärmt oder mit etwas Wasser benetzt sind. Am besten die Zäpfchen mit dem stumpfen Ende voran einführen, dann rutschen sie nicht heraus. Anschließend die Pobacken für ein paar Minuten zusammenpressen.

Montag, 3. Juni 2013

Angst vor Kortison meist unbegründet

Noch immer stehen viele Patienten Kortison und anderen Wirkstoffen aus der Gruppe der Glucocorticoide skeptisch gegenüber. „Die Vorbehalte beruhen auf Halbwissen und stammen aus den 70er Jahren, als Kortison negative Schlagzeilen machte“, sagt Friedemann Schmidt, Vizepräsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. „Dabei ist Kortison bei lokaler Anwendung meist gut verträglich.“ Kortison wird lokal u.a. gegen Hauterkrankungen, Asthma oder Allergien in unterschiedlichen Darreichungsformen angewendet. Viele dieser Medikamente sind rezeptpflichtig, es gibt aber auch einige rezeptfreie Präparate.

Schmidt: „Patienten können sich in der Apotheke darüber informieren, wie sie die Nebenwirkungen verringern können.“ Diese können auftreten, wenn stark wirksame Wirkstoffe über längere Zeit großflächig auf die Haut aufgetragen oder mit einer Folie abgedeckt werden. Dann kann es dazu kommen, dass das lokal aufgetragene Kortison über die Haut ins Blut gelangt. Andere Nebenwirkungen zeigen sich an der Haut: Sie wird dünn und leicht verletzbar, Dehnungsstreifen oder Erweiterungen der kleinen Blutgefäße werden sichtbar.

Kortison-haltige Arzneimittel sollten je nach Konzentration und Wirkstoff nicht länger als einige Wochen auf die Haut aufgetragen werden. Die ein- bis zweimalige Anwendung pro Tag reicht meist aus und verringert das Risiko für Nebenwirkungen. Eine häufigere Anwendung steigert das Risiko für Nebenwirkungen. Nach dem Auftragen sollte man sich die Hände waschen um zu verhindern, dass das Medikament in die Augen gelangt. In Hautfalten und im Gesicht sollten diese Medikamente grundsätzlich nur mit Vorsicht aufgetragen werden.

Kortison-haltige Asthmasprays oder -pulver entfalten ihre volle Wirkung erst nach Tagen bis Wochen. Gegen akute Asthmaanfälle wirken sie nicht direkt. „Das sollten Patienten wissen, damit sie ein verordnetes Medikament nicht vorschnell als ‚unwirksam‘ abschreiben“, sagt Schmidt. Um das Risiko einer Pilzinfektion zu verringern, sollten diese Medikamente vor den Mahlzeiten angewendet werden. Alternativ empfehlen Apotheker, sich nach jeder Inhalation den Mund auszuspülen oder die Zähne zu putzen. 

Medikamente auch bei altersbedingten Einschränkungen richtig anwenden

Viele ältere Menschen sind auf Medikamente angewiesen. Aber Sehprobleme und eingeschränkte Kraft oder Geschicklichkeit der Hände können die korrekte Anwendung erschweren. „Am besten lässt man sich die richtige Anwendung eines Medikaments in der Apotheke demonstrieren“, sagte Dr. Wolfgang Kircher, Apotheker und Mitglied der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK). „Das gilt besonders für technisch aufwändig verpackte Medikamente wie Augentropfen, Trockensäfte oder Medikamente zur Inhalation.“

Im Alter lässt die Kraft in den Händen nach und rheumatische Erkrankungen können die Geschicklichkeit zusätzlich verschlechtern. Älteren fällt es deshalb oft schwer, Kindersicherungen zu öffnen. Auch viele Augentropfen sind so verpackt, dass vor dem ersten Öffnen ein Siegel abgedreht oder aufgerissen werden muss. Andere Medikamente wie Tubenverschlüsse müssen vor der ersten Entnahme durchbohrt werden. Dafür braucht man relativ viel Kraft. Wer damit Schwierigkeiten hat, kann sich das Medikament bereits in der Apotheke öffnen lassen. Die korrekte Anwendung hängt auch vom jeweiligen Präparat ab. Komplexe Applikationssysteme zur Inhalation oder zum Eintropfen ins Auge sollten sich Patienten vom Apotheker demonstrieren lassen.


Wenn die Sehkraft nachlässt, steigt das Risiko für Verwechslungen ähnlich aussehender Medikamente. Hilfreich ist es dann, die verschiedenen Medikamente mit farbigem Klebeband, Filzklebepunkten oder durch gut tastbare Aufkleber aus Sandpapier zu kennzeichnen. Wenn bei Wirkstoffpflastern die Einreißkerben der Verpackung nur schlecht erkennbar sind, lassen Patienten sich diese am besten markieren. Fällt das Abzählen von Tropfen schwer, kann man diese in einen leeren Joghurtbecher fallen lassen. So kann man die Tropfen nach Gehör abzählen.

Sonntag, 2. Juni 2013

Medikamente aus dem Kühlschrank vor Anwendung anwärmen

Wenn Medikamente wie einige Augentropfen im Kühlschrank gelagert werden, sollten sie unmittelbar vor der Anwendung kurz angewärmt werden. Auch Ohrentropfen sind angewärmt besser verträglich. Um die Medikamente auf Körpertemperatur zu bringen, reicht es aus, sie ein paar Minuten in die Hand zu nehmen oder in die Hosentasche zu stecken. „Direkt nach der Applikation sollten die kühl zu lagernden Medikamente wieder im Kühlschrank verstaut werden, sonst ist die Haltbarkeit eingeschränkt“, sagt Gabriele Overwiening, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der Bundesapothekerkammer. Bei anderen Medikamenten wie Insulin müssen nur ungeöffnete Packungen kühl gelagert werden, idealerweise im Gemüsefach. Die Packungen sollten die Rückwand des Kühlschranks nicht berühren, da sonst die Gefahr eines Einfrierens besteht. Angebrochene Insuline können hingegen bei Raumtemperatur aufbewahrt werden.

Etwa 3.500 verschiedene Arzneimittel auf dem deutschen Markt müssen bei Temperaturen zwischen 2 und 8 Grad gelagert werden. Schon ein einmaliges Einfrieren kann ihre Wirksamkeit dauerhaft verändern, ohne dass dies äußerlich erkennbar ist. Es gibt keine allgemeingültigen Regeln, wie lange diese Medikamente bei Raumtemperatur gelagert werden dürfen. Deshalb sollten Patienten diese Medikamente so schnell wie möglich in den heimischen Kühlschrank legen und nur unmittelbar vor der Anwendung herausnehmen.

Patienten können sich im Beipackzettel oder in der Apotheke darüber informieren, bei welcher Temperatur ihre Medikamente gelagert werden sollten. Werden die Lagerungshinweise nicht beachtet, kann die Haltbarkeit kürzer sein als auf der Verpackung angegeben. Das Haltbarkeitsdatum bezieht sich immer auf ungeöffnete Verpackungen. Overwiening: „Ist die Verpackung bereits geöffnet, ist die verbleibende Aufbrauchfrist teilweise erheblich kürzer. Deshalb rate ich, das Öffnungsdatum direkt auf der Packung zu notieren.“ Einmal geöffnete Augentropfen sollten meist innerhalb von vier Wochen verbraucht und Reste entsorgt werden.

Hohe Kosten statt medizinischer Fortschritt

Lediglich zwei der Arzneimittel, die 2010 und Anfang 2011 neu auf den deutschen Markt gekommen sind, stellen einen relevanten therapeutischen Fortschritt dar. Zu diesem Ergebnis kommt der Innovationsreport 2013, den Wissenschaftler der Universität Bremen im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) erstellt haben. Die Studie hat insgesamt 23 Medikamente mit neuen Wirkstoffen daraufhin untersucht, ob bereits alternative Therapien zur Verfügung stehen, ob die Arzneimittel einen (Zusatz-)Nutzen für die Patienten haben, und wie hoch die Kosten im Vergleich zu den verfügbaren Arzneimitteln ausfallen.

"Der Innovationsreport zeigt einmal mehr, dass man nicht jedes neue Arzneimittel mit echtem medizinischen Fortschritt gleichsetzen darf. Denn nicht alles, was neu ist, ist auch tatsächlich besser", erklärt Dr. Jens Baas, Vorsitzender des TK-Vorstands. "Mit der Studie liegt erstmals eine strukturierte Übersicht vor, welche innovativen Medikamente überhaupt dazu beitragen, die Qualität der medizinischen Versorgung im Bereich der Arzneimitteltherapie zu verbessern. Der Report soll daher Ärzten, aber auch Versicherten eine bessere Orientierung geben, wenn es um den Einsatz von Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen geht", so Baas weiter.

AMNOG fördert echte Innovationen

Neben der Versorgungsqualität befasst sich der Innovationsreport auch mit den Kosten der neu zugelassenen Medikamente. "Drei von vier Medikamenten, die wir unter die Lupe genommen haben, waren teurer als die bereits auf dem Markt befindlichen Präparate", erläutert der Leiter der Studie, Professor Dr. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen. "Und das, obwohl in den allermeisten Fällen überhaupt kein zusätzlicher Nutzen für die Patienten nachgewiesen werden konnte." Erst mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) hat der Gesetzgeber ein Verfahren etabliert, das die Frage beantworten soll, welcher Preis für ein neues Medikament angemessen ist. Die in der Studie untersuchten Medikamente wurden jedoch im Jahr vor beziehungsweise kurz nach Inkrafttreten des AMNOG in Deutschland zugelassen. "Das nachgewiesen geringe Innovationspotenzial dieser Arzneimittel macht deutlich: Die AMNOG-Nutzenbewertung ist ein notwendiges Instrument, um echte therapeutische Innovationen zu fördern", sagt Arzneimittelexperte Glaeske. "Langfristig betrachtet, lassen sich damit beitragssatzrelevante Einsparungen für die gesetzliche Krankenversicherung erzielen."

Neue Arzneimittel: Ärzte verordnen regional unterschiedlich

Darüber hinaus zeigt die Studie auch, dass Ärzte in Deutschland sehr unterschiedlich mit Innovationen umgehen. So verordnen Mediziner in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und im Saarland häufiger neue Arzneimittel als ihre Kollegen in anderen Bundesländern. Außerdem hat eine ergänzende TK-Auswertung ergeben, dass der erste vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) bewertete Wirkstoff Ticagrelor bei jedem dritten Patienten falsch verordnet wurde. Das heißt: Ärzte verschreiben den Wirkstoff auch bei solchen Erkrankungen, bei denen das Medikament keinen zusätzlichen Nutzen im Vergleich zu bereits verfügbaren Therapien aufweist. "Aus diesem Grund unterstützt die TK die Ärzte mit verschiedenen Instrumenten, um eine möglichst wirksame, sichere und wirtschaftliche Arzneimitteltherapie zu gewährleisten", so TK-Chef Baas.

TK unterstützt Ärzte beim Einsatz neuer Arzneimittel

Dazu gehört bezogen auf den Umgang mit neuen Medikamenten neben dem Innovationsreport auch der TK-Arzneimittelreport (AMR). Mit dem AMR erhalten niedergelassene Mediziner auf Wunsch für jedes Quartal einen individuellen Verordnungsreport von der TK. Diese Übersicht wird unter anderem ergänzt durch kompakte Zusammenfassungen der Ergebnisse zur frühen Nutzenbewertung des G-BA. Außerdem zeigt der AMR den Ärzten an, ob sie neue Arzneimittel tatsächlich bei solchen Erkrankungen verordnet haben, bei denen das Präparat einen echten Zusatznutzen aufweist.

Mehr Informationen zum Innovationsreport 2013 (Webcode "520604") sowie zum AMR (Webcode "480446") sind im Internet unter www.tk.de zu finden. Dort stehen sowohl eine Lang- als auch eine Kurzfassung des Innovationsreports zum Download bereit.

Samstag, 1. Juni 2013

Diabetes-Medikamente: Apotheker informieren über Nebenwirkungen

Diabetiker sollten sich beim Apotheker darüber informieren, wie sie am besten mit möglichen Nebenwirkungen umgehen    Foto: Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

Apotheker informieren über Nebenwirkungen

Diabetiker sollten sich beim Apotheker darüber informieren, wie sie am besten mit möglichen Nebenwirkungen umgehen. „Einige Nebenwirkungen sind unvermeidbar, andere treten nur bei fehlerhafter Einnahme auf oder können ein Alarmsignal sein“, sagte Hiltrud von der Gathen beim Pharmacon, einem internationalen Fortbildungskongress der Bundesapothekerkammer. „Hier ist die Beratung des Apothekers gefragt: Er kann sein umfangreiches Wissen in die Sprache des jeweiligen Laien übersetzen.“ In Deutschland leben etwa 8 Mio. Diabetiker. Die meisten werden mit oralen Antidiabetika behandelt.

Sinkt der Blutzuckerwert durch ein Medikament zu stark ab, kann es zu Konzentrationsstörungen bis hin zur Ohnmacht kommen. Alarmsignale sind u.a. Herzrasen, Zittern oder Schweißausbrüche. Unterzuckerungen sind z.B. für Autofahrer gefährlich und  sollten deshalb vermieden werden. Nimmt ein Diabetiker ein Medikament mit einem Wirkstoff aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe ein und lässt eine geplante Mahlzeit aus, ist das Risiko für Unterzuckerungen groß. „Kann ein Patient nichts essen, beispielsweise wegen eines akuten Infekts, muss er wissen, wie er die Dosis seiner Medikamente anpasst“, sagte von der Gathen. Die erforderlichen Maßnahmen legt der Arzt fest.

Der am häufigsten verordnete Wirkstoff gegen Diabetes ist Metformin. Bei vielen Patienten treten zu Beginn der Behandlung Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Magenschmerzen oder Durchfälle  auf. Wird Metformin hingegen zunächst über längere Zeit gut vertragen, können plötzlich auftretenden Verdauungsbeschwerden Warnsignale für eine beginnende schwerwiegende Komplikation, die so genannte Lactatacidose, sein. Patienten sollten dann mit ihrem Arzt sprechen. Von der Gathen: „Im Beipackzettel sind Verdauungsbeschwerden als mögliche Nebenwirkungen aufgeführt. Aber erst durch die Beratung in der Apotheke können viele Patienten diese Nebenwirkungen richtig einordnen.“


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Kaffeetrinkern soll sich positiv auf den Blutzucker auswirken, das hat eine indische Studie ergeben.


Bewegung und Medikamente verhindern Abwärtsspirale

Die chronische Lungenerkrankung COPD sollte möglichst frühzeitig behandelt werden. Unbehandelt führt sie zu stärker werdender Atemnot mit der Folge, dass sich die erschöpften Patienten nur wenig bewegen. Der resultierende Konditionsmangel verstärkt die Atemnot immer weiter und es kommt zu einer Abwärtsspirale. "Wer schon bei geringer Anstrengung außer Atem ist und das Gefühl hat, nicht mehr richtig durchatmen zu können, sollte das nicht als normale Alterserscheinung abtun. Denn die COPD entwickelt sind zwar langsam, schreitet unbehandelt aber unaufhörlich fort", sagt der Lungenarzt Prof. Dr. Michael Pfeifer beim Pharmacon, einem internationalen Fortbildungskongress der Bundesapothekerkammer. "Die Abwärtsspirale lässt sich aber durch Bewegung und die frühzeitige Inhalation von Medikamenten aufhalten."

Foto: Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände


Bei den Über-40-Jährigen leiden 6 Prozent der Männer und 3 Prozent der Frauen in Deutschland unter COPD, Tendenz steigend. Die Krankheit macht sich bemerkbar durch Atemnot bei körperlicher Anstrengung, Husten und Auswurf. Morgens sind die Beschwerden oft stärker als abends. Das Atmen strengt den Körper unverhältnismäßig an, deshalb sind Patienten oft müde und erschöpft. Durch den Bewegungsmangel werden die Bein- und Arm- Muskel schwächer, was die Leistungsfähigkeit weiter einschränkt. Hinzu kommen psychische Symptome, wie Depressionen oder Angstzustände, und oft leiden die Patienten zudem an Herzkrankheiten.

Bei der Therapie geht es in erster Linie darum, die Leistungsfähigkeit und damit die Lebensqualität zu verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung zu vermeiden. Pfeifer: "Menschen mit COPD sind schon bei kleinen Anstrengungen außer Atem. Das kann so schlimm werden, dass jemand nur noch mit Mühe aus dem Sessel aufstehen und ein paar Schritte bis ins Badezimmer gehen kann. Körperliches Training, und sei es nur ein regelmäßiger Spaziergang, verbessern die Leistungsfähigkeit nachweisbar. Und egal, wie schwer die Erkrankung ist - durch Bewegung lässt sich die körperliche Leistungsfähigkeit immer verbessern."

Wichtigste Prävention der COPD ist es, nicht zu rauchen. Die Abkürzung COPD stammt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt chronisch-obstruktive Lungenerkrankung.

Freitag, 31. Mai 2013

Schwangerschaft und Erkältung: Sind Medikamente erlaubt?

Wenn in der Schwangerschaft die Nase läuft und der Hals kratzt, sollte der Griff in den Medikamentenschrank besonders gut überlegt sein. Denn einige Arzneistoffe in den üblichen Erkältungsmitteln können auch in den Blutkreislauf des Ungeborenen gelangen und dort unerwünschte Wirkung haben. Dabei gibt es bei leichten Erkältungsbeschwerden oft gute Alternativen.

"Bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit sollte man auf jeden Fall erst einmal ausreichend trinken", rät Heike Wendt, Apothekerin der Techniker Krankenkasse (TK). Denn der Körper braucht viel Flüssigkeit, um mit dem Infekt fertig zu werden. Am besten eignen sich warmer Tee wie Lindenblüten- oder Fencheltee. Schleimlösend wirkt auch eine Inhalation mit einigen wenigen Tropfen ätherischen Öls, die mit heißem Wasser übergossen werden. Die aufsteigenden Dämpfe wirken entzündungshemmend und befreien die Nase. Geeignet sind ätherische Öle wie Kiefern-, Eukalyptus- oder Fichtennadelöl.

Damit die Nasenschleimhaut nicht noch mehr in Mitleidenschaft gezogen wird und für weitere Erreger anfällig ist, sollte sie gut befeuchtet werden. Werdende Mütter können zu einer Nasendusche mit einer Salzwasserlösung greifen oder ein Nasenspray auf Meerwasserbasis benutzen. "Sollten stärker wirksame Nasensprays oder -tropfen notwendig sein, können kurzzeitig Präparate mit den Wirkstoffen Xylometazolin oder Oxymetazolin angewendet werden", sagt Dr. Christof Schaefer, Leiter des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie an der Berliner Charité. Der Kinderarzt weiter: "Bleibt die Anwendung auf wenige Tage begrenzt, besteht nach aktuellem Wissensstand kein Risiko. Bei sehr langer Therapiedauer oder starker Überdosierung könnten die abschwellenden Substanzen möglicherweise die Blutversorgung des Kindes einschränken."

Säfte auf pflanzlicher Basis wie Efeu oder Thymian sind meistens akzeptabel, dennoch sollte man bei diesen Kräuterextrakten vor der Einnahme den Arzt oder Apotheker fragen. Alkoholhaltige Säfte oder Tropfen sind dabei stets zu vermeiden. Häufig werden hustenlösende Präparate mit Acetylcystein oder Ambroxol verwendet, deren Einnahme bei leichten Erkältungsbeschwerden aber in der Regel nicht erforderlich ist.

Bei Bronchitis und Halsschmerzen gelten warme Kartoffelwickel als bewährtes Hausmittel. Dazu kocht man Kartoffeln mit der Schale und legt sie auf die Hälfte eines sauberen Küchenhandtuchs. Die andere Hälfte des Tuches darüber schlagen und die Kartoffeln zerdrücken. Danach in ein weiteres Tuch einschlagen und den Wickel eine halbe Stunde lang auf die Brust beziehungsweise den Hals legen. Unbedingt vorher vorsichtig die Temperatur mit dem Unterarm prüfen, damit man sich nicht verbrennt.

Bei leicht erhöhter Temperatur ist häufig Bettruhe die beste Therapie. Um Fieber zu senken, dürfen Schwangere in Absprache mit ihrem Arzt auch ein reines Paracetamol-Präparat einnehmen. Nach dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand ist die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft akzeptabel, so Dr. Schaefer. Bei Fieber deutlich über 38,5 Grad, das länger als ein bis zwei Tage andauert, sollte man grundsätzlich einen Arzt aufsuchen.

Hält der behandelnde Arzt bei einem schweren bakteriellen Infekt ein Antibiotikum für unbedingt erforderlich, kann er ein Penicillin-Präparat verordnen. Für Schwangere verträgliche Antibiotika sind nach aktuellem Wissensstand auch Erythromycin und Cephalosporine, so Dr. Schaefer. Ob werdende Mütter bestimmte Präparate einnehmen dürfen und welche Mittel als Alternative in Frage kommen, zeigt die Internetseite seines Instituts unter www.arzneimittel-in-der-schwangerschaft.de. Die Website gibt Ärzten, Apothekern und Laien wissenschaftlich aktuelle Informationen zu den wichtigsten Medikamenten in Schwangerschaft und Stillzeit. Die Entscheidung, ob und welches Arzneimittel die Patientin einnehmen darf, trifft allein der behandelnde Arzt. 

Wer einer Erkältung erst gar keine Chance geben will, stärkt am besten seine Immunabwehr und beherzigt einfache Hygieneregeln. TK-Apothekerin Wendt: "Ausreichendes Händewaschen hält Erkältungsviren auf Abstand. Wichtig ist auch, Abstand zu offensichtlich erkrankten Menschen zu halten. Sofern die Schwangerschaft es zulässt, regelmäßig spazieren gehen. Die Bewegung an der frischen Luft wirkt wie ein natürlicher Bakterienkiller."

Weitere Informationen rund um das Thema Schwangerschaft gibt es im Internet auf der Homepage der TK unter www.tk.de in der Rubrik "Medizin & Gesundheit/Schwangerschaft & Kinder".

Reiseapotheke erneuern

Der erholsame Urlaub im Frühsommer beginnt mit einer guten Vorbereitung. Dazu zählt auch die Überprüfung der Reiseapotheke. "Wer seine Reiseapotheke rechtzeitig checkt, erspart sich viel Stress, falls er am Urlaubsort erkrankt", rät Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer GEK. Zur Grundausstattung einer gut bestückten Reiseapotheke gehören Mittel gegen Schmerzen, Fieber und Durchfall. 

Auch ein Gel gegen Hautreaktionen auf Insektenstiche sowie Wund- und Heftpflaster sollten enthalten sein. Ebenso Mullbinden, eine Desinfektionslösung und ein Fieberthermometer. Flugreisende achten besser darauf, nicht gegen die Sicherheitsbestimmungen für Handgepäck zu verstoßen. Schere, Pinzette, Zeckenzange und Cremetuben also in den Koffer legen. "Diabetiker, die ihre Spritzen griffbereit haben müssen, gehen auf Nummer sicher, wenn sie sich vorher von ihrem Arzt die Notwendigkeit der Mitnahme bescheinigen lassen", so Marschall. 

Wer eine Reiseapotheke aus dem Vorjahr hat, ist gut beraten, sich den Inhalt genauer anzusehen: Kleben die Pflaster noch? Sind die Mullbinden elastisch und die Verpackung der sterilen Verbandsstoffe unbeschädigt? Auch auf das Haltbarkeitsdatum von Tabletten und Salben ist zu achten, wenn man keine bösen Überraschungen erleben will. "Reste alter Medikamente gehören nicht in die neue Verpackung, weil man dann das Haltbarkeitsdatum nicht mehr unterscheiden kann", so Marschall. Ihr Tipp: Nicht vergessen, die am Urlaubsort gültigen Notfallnummern vorsichtshalber einzupacken.

Medikamente können auch krank machen

Pro Jahr werden in Deutschland 1,5 Milliarden Packungen Arzneimittel verbraucht. 4 von 10 Patienten über 65 Jahre bekommen 8 verschiedene Wirkstoffe und mehr verschrieben. Dabei ist seit langem bekannt, dass zu viele Medikamente, gleichzeitig eingenommen, mehr schaden können als nützen. Die Stiftung Warentest liefert mit der 9. Auflage des Handbuchs Medikamente unabhängige Informationen zu Risiken und Nebenwirkungen von über 7000 häufig verschriebenen Präparaten.


Es geht um Mittel bei Depression, Demenz, Bluthochdruck, Herzschwäche oder Schmerzen, die häufig gleichzeitig eingenommen werden. Jedes Jahr müssen vor allem ältere Menschen ins Krankenhaus, weil Wechselwirkungen verschiedener Arzneimittel sie krank gemacht haben.

In diesem Ratgeber geht es aber auch um Medikamente, die, richtig eingesetzt, besonders wertvoll sind, aber viel zu häufig verordnet werden. So bekommen gerade Kinder und Jugendliche noch immer Antibiotika bei Erkältungskrankheiten oder Mittelohrentzündung verschrieben. Dabei werden die meisten Erkältungskrankheiten durch Viren hervorgerufen. Antibiotika wirken dann nicht. Es kann aber zu Bauchschmerzen, Durchfall, Allergien und im schlimmsten Fall zu Antibiotika-Resistenzen kommen.

Damit liefert das „Handbuch Medikamente“ wichtige Informationen für den richtigen Gebrauch der richtigen Arzneimittel. So können sich Patienten fundiert und von der Pharmaindustrie unabhängig über Medikamente informieren.


„Handbuch Medikamente“ hat 1472 Seiten und ist für 49,90 Euro im Buchhandel erhältlich oder kann unter www.test.de/handbuch-medikamente bestellt werden.

Donnerstag, 30. Mai 2013

Jeder fünfte Sportler greift zu Schmerzmitteln

Ob Hobbyradler, Freizeitfußballer oder Marathonläufer: Jeder fünfte Sportler in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt hat beim Training oder im Wettkampf schon zu Schmerzmitteln gegriffen. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK).

Jeder zweite Sportler (47 Prozent) hat sich schon einmal eine leichtere Verletzung wie eine Bänderdehnung oder Verstauchung zugezogen. Vier von zehn kennen beim Training Knie-, Rücken-, Hüft- oder Fußschmerzen.

"Gerade wer stark leistungsbezogen trainiert, will jedoch trotz solcher Blessuren oft nicht auf das Training oder den Wettkampf verzichten", erklärt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen. Selbst bei einer akuten Verletzung gönnen nur zwei Drittel der Freizeitsportler dem Körper eine Verschnaufpause. Dagegen fällt der Griff zu frei verkäuflichen Arzneimitteln vielen offenbar leicht: 35 Prozent der Befragten in den drei Bundesländern finden es in Ordnung, sich beim Sport auch unabhängig von einer Verletzung mit Ibuprofen, Diclofenac und Co. zu "dopen".

Jedem Zehnten aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt ist nach eigenen Angaben sogar jedes Mittel zur Unterstützung bzw. Hilfe beim Sport recht.

"Jeder Schmerz ist jedoch ein Warnsignal des Körpers. Schon kleine Wehwehchen, die aus falschem Ehrgeiz ignoriert oder mit Arznei unterdrückt werden, können zu Überlastungsschäden und chronischen Schmerzen führen", so Dressel.

Viele Sportverletzungen und Schmerzen können Freizeitsportler stattdessen vermeiden, indem sie ihre Trainingseinheiten richtig angehen. "Zum einen wärmen sich Gelegenheits- und Hobbysportler oft nicht richtig auf. Zum anderen verlangen sie ihrem Körper oft einfach zu viel ab."

Und auch ein medizinischer Check-up ist wichtig, um den Körper bestmöglich vorzubereiten. Die TK bezuschusst die Sportuntersuchung mit bis zu 60 Euro für die Basisuntersuchung oder bis zu 120 Euro für einen erweiterten Test, bei dem der Arzt zusätzlich ein Belastungs-EKG durchführt, die Lungenfunktion überprüft und den Laktatwert bestimmt.

Der umfangreichere Test richtet sich vor allem an Menschen, bei denen spezielle Risiken bestehen oder die ein besonders intensives Training planen.

Guido Dressel: "Der Arzt erstellt nicht nur ein genaues Bild von der Fitness des Patienten, checkt beispielsweise das Herz, den Kreislauf und den Bewegungsapparat. Der Patient bekommt auch eine umfassende Beratung, welche Risiken bestehen und welche Trainingsmethoden am besten zu ihm passen."

Um von dem Zuschuss zu profitieren, reichen die Versicherten einfach die Rechnung, die sie vom Arzt erhalten, zur Kostenerstattung bei der TK ein. "Der behandelnde Arzt muss allerdings die Zusatzqualifikation eines Sportmediziners besitzen", erklärt Dressel. "So ist die Qualität der Behandlung sichergestellt."

Dazu hat die TK im Freistaat eine Vereinbarung mit dem Thüringer Sportärztebund geschlossen.

Sonntag, 26. Mai 2013

Was kostet ADHS?


Rund 600.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts an dem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom - kurz ADHS. Ärzte behandeln es häufig mit dem Wirkstoff "Methylphenidat", besser bekannt unter dem Handelsnamen Ritalin. Die Verschreibungsmengen steigen seit Jahren deutlich. Allerdings: Die größten Kostentreiber in der Behandlung von ADHS sind nicht die Medikamente. 

Eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Techniker Krankenkasse für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG) in Kooperation mit der Leibniz Universität Hannover und der Universität Bielefeld zeigt: Die größten Ausgabeposten in der Behandlung von ADHS-Kindern sind mit 44 Prozent Verhaltenstherapie und Heilmittel wie zum Beispiel Ergotherapie. "Dafür geben die Kassen pro Jahr und Patient durchschnittlich 1.704 Euro aus", weiß Professor Dr. Roland Linder vom WINEG, der die Studie geleitet hat.

Nach den Therapien folgen die Ausgaben für ambulante Behandlung (22 Prozent) und stationäre Versorgung (21 Prozent). "Für die Arzneimittel belaufen sich die durchschnittlichen Kosten pro Jahr und Kopf auf 483 Euro. Das entspricht nur zwölf Prozent der Gesamtausgaben", so Linder.

Die Studie ergab außerdem: Kinder mit ADHS leiden überdurchschnittlich häufig an Begleiterkrankungen. "Diese erklären auch die höheren Ausgaben im stationären und ambulanten Bereich", erklärt der Wissenschaftler. So haben Schüler mit ADHS zum Beispiel 15-mal häufiger als nicht betroffene Kinder mit Lernstörungen zu kämpfen. Depressive Phasen treten bei ihnen rund fünfmal häufiger auf. Auch das Verletzungsrisiko ist höher. "Ein lebhaftes ADHS-Kind ist impulsiv und tobt mehr. So kommt es zum Beispiel auch schneller zu Unfällen“, weiß Linder.

Insgesamt belaufen sich die Ausgaben pro ADHS-Patient und Jahr auf 3.888 Euro. Der Vergleich zu einer alters- und geschlechtsgleichen Kontrollgruppe zeigt: Die Kassen geben für einen Patienten mit ADHS pro Jahr 2.902 Euro mehr aus als für ein Kind ohne die Diagnose.

Donnerstag, 23. Mai 2013

ADHS bei jungen Erwachsenen


Immer mehr jungen Erwachsenen werden immer mehr Arzneimittel zur Behandlung von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) verschrieben. Dies zeigt eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK). Die Anzahl der Patienten im Alter zwischen 17 und 20 Jahren, die ein Präparat zur Behandlung von ADHS verordnet bekommen haben, ist im Vergleich zwischen 2011 und 2012 um zwölf Prozent gestiegen. Die Menge der verordneten Medikamenten-Packungen ist für diese Altersgruppe im gleichen Zeitraum um rund 20 Prozent gestiegen - die Facharztgruppe der Kinder- und Jugendmediziner hat sogar doppelt so viele Packungen verordnet.

"Die sogenannte Kinderkrankheit ADHS endet nicht automatisch an der gesetzlich festgesetzten Grenze zur Volljährigkeit. Daher ist es wichtig, dass man die Patienten in der Übergangszeit vom Jugend- ins Erwachsenenalter nicht einfach alleine lässt, sondern weiterhin umfassend medizinisch betreut", erklärt Dr. Edda Würdemann, Apothekerin bei der TK. "Notwendig ist bei diesem Übergang deshalb eine besonders enge Zusammenarbeit zwischen den Fachärzten."

Die Auswertung der TK-Daten zeigt, dass diese Zusammenarbeit zwischen den Fachärzten in der Regel bereits heute umgesetzt wird. Denn die Verordnungszuwächse bei den ADHS-Medikamenten für die Patienten zwischen 17 und 20 Jahren traten in den meisten Fällen bei den zuständigen Spezialisten auf. Dazu gehören zum Beispiel Kinder- und Jugendpsychiater, Neurologen und Ärzte, die in psychiatrischen und psychotherapeutischen Ambulanzen arbeiten.

"Ein Grund für den Anstieg der Verordnungszahlen ist mit großer Wahrscheinlichkeit, dass erst seit April 2011 ein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Methylphenidat auch für Erwachsene zugelassen ist", so Würdemann. "Hier kommt ein gewisser Nachholeffekt zum Tragen." Dieses Präparat "Medikinet adult" kann über 18-jährigen Patienten verschrieben werden, wenn dem Patient bereits im Kindesalter die Diagnose ADHS gestellt wurde und andere therapeutische Maßnahmen nicht ausreichen.

Die analysierten Daten sind um das Versichertenwachstum der TK für die Jahre 2011 und 2012 statistisch bereinigt.

Mittwoch, 2. Januar 2013

Antibiotika – richtig anwenden ist wichtig

Am 18. November fand zum fünften Mal der Europäische Antibiotikaresistenztag statt. Ziel des Tages war es, über die umsichtige Anwendung von Antibiotika zu informieren und die Risiken des unangemessenen Einsatzes aufzuzeigen. Nach wie vor werden Antibiotika in vielen Fällen angewendet, in denen es nicht oder nicht in dem Umfang erforderlich wäre.

Deutschland beteiligt sich regelmäßig mit unterschiedlichen Veranstaltungen zur Problematik Antibiotikaresistenzen an den Aktivitäten zu diesem Tag. 2012 u.a. auch mit einem Workshop, den das Robert Koch-Institut gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie, der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und EurSafety-Health-Net Anfang November veranstaltet hat.

„Antibiotikaresistenzen sind ein komplexes Problem. Viele verschiedene Stellen müssen kontinuierlich und interdisziplinär zusammenarbeiten und aktiv sein“, daran erinnert Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Um Antibiotikaresistenzen entgegenzuwirken und eine gezieltere Herangehensweise auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene zu unterstützen, hat das Bundesministerium für Gesundheit gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung 2008 die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) entwickelt, an der auch die Bundesländer und weitere Akteure des Gesundheitswesens beteiligt waren.

Seitdem werden die in DART enthaltenen Maßnahmen ständig an neue Gegebenheiten angepasst. Einen aktuellen Überblick über Umfang und Art des Problems sowie die zur Vermeidung, Erkennung und Bekämpfung etablierten Strukturen, Konzepte und Maßnahmen gibt das Bundesgesundheitsblatt in der soeben erschienenen Ausgabe (Doppelheft November/Dezember 2012). Mit den in DART enthaltenen Maßnahmen konnten in den vergangenen Jahren bereits weitreichende Fortschritte erzielt werden. „Nun gilt es, bewährte Strategien zu verstetigen und konsequent weiter umzusetzen“, unterstreicht Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr.

Grundlage für eine adäquate Antibiotikagabe sind Wissen sowie Strukturen und Abläufe, die verantwortungsbewusstes Handeln ermöglichen. Wichtige Schwerpunkte im humanmedizinischen Abschnitt von DART sind, neben Surveillance, Diagnostik, Therapieleitlinien und Zusammenarbeit, die Aus-, Weiter- und Fortbildung von medizinischen Berufsgruppen.

Ein zentrales Ziel von DART ist eine bessere Erhebung und Bewertung von Daten (Surveillance). „Verlässliche und regelmäßig erhobene Daten zu Antibiotikaresistenzen und zum Antibiotikaverbrauch sind Voraussetzung für gezielte Präventionsmaßnahmen“, erklärt Reinhard Burger, Präsident des Robert Koch-Instituts. Das Robert Koch-Institut erfasst bei der „Antibiotika-Resistenz-Surveillance“ (ARS), deren Ergebnisse auch im Internet abrufbar sind, in standardisierter Form Resistenzdaten aus mikrobiologischen Laboratorien. Dabei wird das gesamte Spektrum klinisch relevanter bakterieller Erreger aus der stationären und ambulanten Versorgung erfasst. Im Bundesgesundheitsblatt berichten die Infektionsepidemiologen des RKI über Erreichtes und Ausstehendes bei ARS.

Die genaue Charakterisierung von Krankenhauskeimen, insbesondere ihrer genetischen Ausstattung, ermöglicht die Aufklärung von Infektionsketten und gibt Hinweise auf Entstehung und Verbreitungswege von Resistenzeigenschaften. Über aktuelle Entwicklungen bei MRSA (multi- oder methicillinresistente Staphyloccocus aureus) und VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken) berichten im Bundesgesundheitsblatt die Mikrobiologen des Nationalen Referenzzentrums für Staphylokokken und Enterokokken am Robert Koch-Institut. Bei gramnegativen Bakterien, zu denen Darmbakterien wie E. coli und Klebsiellen zählen, können sich Resistenzgene besonders leicht zwischen verschiedenen Bakterien(-arten) austauschen. Resistenzgene enthalten die Information für zelluläre Mechanismen, mit denen Bakterien die Wirkung von Antibiotika zunichte machen können. Eine bekannte Gruppe solcher Faktoren sind ESBL (Extended Spektrum Beta-Laktamasen). Über aktuelle Entwicklungen bei Bakterien, die diese Eigenschaft besitzen, berichten ebenfalls Mikrobiologen aus dem RKI in einem Artikel im Bundesgesundheitsblatt.

Lücken in der konsequenten Umsetzung von Hygieneempfehlungen tragen zur Verbreitung von (resistenten) Erregern bei. Viele wichtige gramnegative Erreger kommen im Darm vor. Bei solchen Erregern sind andere Maßnahmen im Kampf gegen die Verbreitung erforderlich als etwa bei MRSA, die auf der Haut und in der Nase vorkommen. Die am RKI angesiedelte Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention hat aktuelle Empfehlungen zum Umgang mit diesem Problem, das heißt bei Infektion oder Besiedlung mit multiresistenten gramnegativen Bakterien, erarbeitet. Diese Empfehlungen sind in der Oktober-Ausgabe des Bundesgesundheitsblatts veröffentlicht und sind auch auf den RKI-Internetseiten abrufbar. Ein Beitrag über das Treffen der Moderatoren von regionalen Netzwerken gegen multiresistente Erreger (insbesondere MRSA) erläutert, wie durch erhöhte Aufmerksamkeit und koordiniertes Vorgehen Erfolge in der Eindämmung von Antibiotikaresistenzen erzielt werden können.


Stand: 14.11.2012


Mittwoch, 21. November 2012

Moderne Verbundforschung auf höchstem Niveau

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet an der Universität Bonn ein neues Graduiertenkolleg „Pharmakologie von 7TM-Rezeptoren und nachgeschalteten Signalwegen“ (GRK1873) ein. Durch die Erforschung pharmakologisch relevanter Signalwege sollen Arzneimittelwirkungen und Krankheitsmechanismen aufgeklärt werden. Sprecher ist Prof. Dr. Alexander Pfeifer, Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie.

Der Nobelpreis für Chemie ging im aktuellen Jahr 2012 an die US-Amerikaner Robert Joseph Lefkowitz und Brian Kent Kobilka für ihre Studien zu G-Protein-gekoppelten Rezeptoren. Es geht dabei um einen Mechanismus, wie auf biochemischem Weg Signale in das Innere lebender Zellen weitergeleitet werden. Mit solchen Rezeptoren, die durch sieben transmembranäre Domänen (7TM) gekennzeichnet sind, befasst sich das neue Graduiertenkolleg „Pharmakologie von 7TM-Rezeptoren und nachgeschalteten Signalwegen“. Es soll im Jahr 2013 starten und voraussichtlich insgesamt 18 Doktoranden aufnehmen. Die DFG fördert das Kolleg maximal neun Jahre.

Ziel: noch bessere und nebenwirkungsärmere Medikamente
„7TM-Rezeptoren regulieren fast alle physiologischen Prozesse und sind an vielen Krankheiten beteiligt“, berichtet Prof. Dr. Alexander Pfeifer, Sprecher des neuen Graduiertenkollegs und Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie an der Universität Bonn. „Diese Rezeptoren und ihre Signalwege sind Angriffspunkte für unterschiedlichste Medikamente, weil sie viele fundamentale zelluläre Funktionen regeln.“ Ein interdisziplinäres Team aus Pharmakologen, Physiologen, Pharmazeutischen Biologen und Chemikern sowie Informatikern arbeitet eng zusammen. Beteiligt sind die Medizinische und die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Bonn sowie das Bonn-Aachen International Center for Information Technology. „Wir möchten vorhersagen, welche Signalwege von einem bestimmten Wirkstoff adressiert werden“, sagt der Vizesprecher Prof. Dr. Klaus Mohr aus der Pharmazie. Es sei sehr wichtig, die Wirkungen dieser Rezeptoren genauer aufzuklären, um noch bessere und nebenwirkungsärmere Medikamente zu entwickeln.

Exzellente Kandidaten aus dem In- und Ausland
Mit der Einrichtung von Graduiertenkollegs soll der wissenschaftliche Nachwuchs durch die Qualifizierung von Doktoranden mit einem breit aufgestellten Konzept gefördert werden. Die Universität Bonn will hierfür exzellente Kandidaten aus dem In- und Ausland gewinnen. Ziel ist eine interdisziplinäre und internationale Ausrichtung. Das Graduiertenkolleg GRK1873 der Universität Bonn wird deshalb unter anderem mit Kooperationspartnern in den USA, in Japan und in Schottland zusammenarbeiten. Die Doktoranden werden von einem internationalen Programm mit Auslandsaufenthalten profitieren. „Wir versprechen uns davon eine optimale Ausbildung junger Wissenschaftler“, sagt Prof. Pfeifer. „Die Doktoranden lernen moderne Verbundforschung auf höchstem Niveau kennen.“